Geschichte des
Brauwesens in Wismar
Unser Haus wurde im Jahre 1452
zum Zwecke des Bierbrauens errichtet.
Im 15. Jahrhundert gab es in
Wismar über 180 verschiedene Braustätten die eine große Menge köstlichen
Gerstensaftes brauten. Auch die große Anzahl von 130 Hopfengärten deutet auf
die rege Brautätigkeit der Wismarer hin. Das Wismarer Bier war ein in
ganz Europa bekanntes und begehrtes Getränk. In Lübeck bestand sogar zeitweise
ein Ausschankverbot für Wismarer Bier, weil dies beliebter und von
besserer Qualität war als das eigene. Verschifft wurde das Wismarer Bier nach
Holland, Flandern, England, Portugal und in den skandinavischen Raum. Der
damalige Reichtum der Hansestadt Wismar ist also in großem Maße auf das
Braugewerbe der Bürger zurückzuführen.
Über das Brauhaus am Lohberg
gibt es auch Sagenhaftes aus der Zeit um 1500 zu berichten:
Der Brauherr vom Lohberg
Der Besitzer des
stattlichen Eckhauses war Kaufherr und Brauherr. Die Bierbrauerei blühte nach
Herabsetzung der hohen Bierzölle erneut. Mit der Ausfuhr der starken Wismarer
Mumme ließ sich gutes Geld verdienen.
Aber -
"Geld allein macht nicht glücklich" Oder sollte man besser zitieren:
"Alter schützt vor Torheit nicht!"?
Urteilen
Sie selbst:
Der
Brauherr vom Lohberg war Witwer, bei Jahren und verliebt. Natürlich in eine
bildhübsche, blutjunge Deern. Trotz der Warnungen seiner Freunde und der
hämischen Unkereien vieler Neider wurde Hochzeit gefeiert. Anfangs ging es sehr
gut. Vielleicht hätte die ungleiche Verbindung bis zu ihrem natürlichen Ende
gehalten. Doch der Kaufmann musste geschäftehalber nach Flandern
segeln. Wäre er doch nur per Schiff zurückgekehrt! Die Ankunft Wismarer
Segler wurde nämlich in der Stadt rechtzeitig bekannt. Der Verliebte jedoch
ging in Lübeck von Bord und reiste per Eilpostille nach Wismar. Nachts betrat
er freudig erregt und mit Geschenken beladen sein Heim. Vor der
Schlafkammerverharrte er bestürzt. Seltsame Geräusche drangen an sein Ohr.
Ahnungsvoll öffnete er die Tür und erblickte die angebetete Gemahlin mit einem
ungebetenen Jüngling in eindeutiger Zweisamkeit. Der entsetzte Liebhaber
entwetzte durch das Kammerfenster. Gramgebeugt wankte der tief enttäuschte
Ehemann in den Braukeller. Der Versuch, seinen Kummer in Bier zu ersäufen,
misslang. Nach dem dreizehnten Becher Mumme stürzte er
sich in das größte Braufass und ertrank. Bald darauf ging es mit dem
Brauereigewerbe in Wismar steil bergab. Die Historiker nennen dafür viele
Ursachen. Ich meine, das schmähliche Ende des Brauherrn vom Lohberg war der
wirkliche Grund.
Nachdem nun über 500 Jahre
seit der Blütezeit des Brauhandwerkes in Wismar vergangen sind, gibt es nur
noch eine Brauerei: das Brauhaus am Lohberg. Seit 1995 wird hier wieder nach
alter hanseatischer Tradition gebraut.